Rothenstein (Rotštejn) im Böhmischen Paradies


Am Rande der Felsenstadt "Klokotscher Felsen" findet man die Reste der alten Felsenburg Rothenstein. Von der Straße sind es nur wenige Meter, bis man an den Fuß des durch Höhlungen durchsetzten Burgfelsens gelangt, der an manchen Tagen gegen ein kleines Eintrittsgeld auch bestiegen werden kann. Fast noch bekannter ist ein Felsbogen, den man am besten von der Burg selbst betrachtet, das sogenannte kleine Prebischtor. 
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Von der Burg selbst sind nur noch einige wenige Kernmauern, ein tiefer Brunnen sowie eine Vielzahl in den weichen Sandstein getriebener Höhlungen (auch in umgebenden Felsen) erhalten. Man hat aber das Innere mit Holztreppen wieder zugänglich gemacht und auch einige Informationstafeln in tschechisch, deutsch und englisch angebracht, über die man etwas über die bautechnischen Besonderheiten sowie ein klein wenig über die Geschichte der Veste erfahren kann. 

Geschichte der Burg

Bekannt ist, dass die Felsenburg ungefähr um 1250 von einem Mitglied des alten böhmischen Adelsgeschlecht der Markwartinger gegründet wurde. Zuerst wahrscheinlich weitgehend ein Holzbau wurde der Burgfelsen nach und nach mit festem Mauerwerk ausgestattet sowie eine Anzahl Räume aus dem Sandstein ausgehauen. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass die Kernburg weiträumig von Palisadenwällen umgeben war, denn man findet auch in benachbarten Felsen ausgehöhlte Räume sowie einzelne Keller. An manchen Stellen sind außerdem noch Felsfalze zu sehen, die einmal Balken von Holzbauten aufgenommen haben.

Die Burg stellte zu jener Zeit das Zentrum der Herrschaft im Bereich des Berges Kosakow (744 m) und des Ortes Klokotsch (nach dem die mächtigen Felsen in dessen Umgebung benannt sind) dar. Ersterer war durch seine Halbedelsteine (z. B. Achate) bekannt, die an seinen Hängen in großer Zahl gefunden werden. Der erste namentlich bekannte Burgherr war Wok II von Rothenstein, von dem überliefert ist, dass er im Jahr 1318 eine Klage beim damaligen König von Böhmen, Johann von Luxemburg, einreichte betreffs wiederholter Plünderung seiner Burg durch Adelige aus der Umgebung. Was daraus geworden ist, ist allerdings nicht bekannt.

Die größte Blüte erreichte die Veste zur Zeit Karls IV. Ein gewisser Jesko (oder Jarek) vom Rothenstein brachte es sogar bis zum Stellvertreter des Prager Burggrafen sowie zum Beisitzer des königlichen Landgerichts. Eine solche Karriere war nur wenigen Adeligen vergönnt und zeigt auch, wie angesehen die Markwartinger am königlichen bzw. kaiserlichen Hof waren. Für seine Verdienste für die Krone verlieh im Jahre 1360 Kaiser Karl Jesko von Rothenstein persönlich das Recht, dass er jede Woche in Klokotsch Markt abhalten durfte - ein Privileg, welches sonst nur größeren Städten gewährt wurde.

Mit seinen Nachkommen hatte Jesko von Rothenstein wenig Glück, denn bereits 1415 gilt der Rothensteiner Zweig der Markwartinger als ausgestorben. Die Burg gelangte mit den umgebenden Dörfern an zwei Brüder "von Varin", die sie während der Hussitenkriege in Besitz hatten. Wie es der Burg während dieser turbulenten Zeiten ergangen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wahrscheinlich ist sie, wie viele andere Burgen auch, belagert und zerstört worden. Zwar galt sie im Jahre 1433 als "noch bewohnbar" - aber was das konkret bedeuten sollte, kann man leider den überlieferten Urkunden nicht entnehmen. Auf jeden Fall verfiel sie ab diesem Zeitpunkt immer mehr, denn als Adelssitz hatte sie längst ihre ehemalige Bedeutung verloren. Im Jahre 1500 war sie auf jeden Fall endgültig verlassen sowie die Holzaufbauten verrottet und zusammengestürzt. Seitdem ist die Burg nie wieder zu Wohnzwecken hergerichtet worden. Wahrscheinlich wurden auch Steine aus den Mauern in den Häusern der umgebenden Dörfer verbaut. 1870 sowie 1934 wird von zerstörerischen Felsstürzen am Rothenstein berichtet.

Nach der "Wende" erinnerte man sich an die kulturelle und touristische Bedeutung des Ortes und es wurden ab 1993 umfangreiche Rettungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Seit 1998 kann die Burgruine zu festgelegten Öffnungszeiten auch wieder besucht werden.

Im Hof hat man heute einen kleinen Blumengarten angelegt... Im Mittelalter waren übrigens Gemüse- und Kräutergärten ein integraler Bestandteil der Burgen. Insbesondere Heilkräuter, aber auch Kräuter, die erst als Samen mit den Kreuzzügen nach Mitteleuropa gelangt sind, wurden zwischen den Burgmauern angepflanzt.

An vielen Stellen sieht man noch Spuren im Sandstein, in denen Balken der Holzaufbauten gelagert waren. Im Erdgeschossbereich kann man einen 25 m tiefen Ziehbrunnen besichtigen. Über ein drehbar gelagertes Rundholz konnte man so etwas wie einen Eimer herablassen und ihn mit Wasser gefüllt wieder heraufziehen. Gefüllt hat sich der Brunnen durch das den porösen Sandstein sickernde Grundwasser sowie durch Regenwasser, das über Rinnen hineingeleitet wurde.

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